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Verhaltensregeln für Expeditionsteilnehmer

Das Internationale Jugendprogramm in Deutschland e.V.

Textnummer: 776700

Erstellt am 2014/06/05, zuletzt geändert am 2014/06/23

Das Befolgen gesetzlicher Vorgaben bzw. Sicherheitsbestimmungen und auch des Verhaltenskodex ist der einfachere Aspekt der „Verhaltenserziehung“. Mindestens genauso viel Aufmerksamkeit und Anstrengung erfordert die Motivation zum zeitweiligen Verzicht auf Medien, die sonst im Alltag unentbehrlich scheinen.

Das Internationale Jugendprogramm in Deutschland e.V.

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Das Befolgen gesetzlicher Vorgaben bzw. Sicherheitsbestimmungen und auch des Verhaltenskodex ist der einfachere Aspekt der „Verhaltenserziehung“. Mindestens genauso viel Aufmerksamkeit und Anstrengung erfordert die Motivation zum zeitweiligen Verzicht auf Medien, die sonst im Alltag unentbehrlich scheinen.

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Allgemeines

Der Duke of Edinburgh’s International Award ist ein anspruchsvolles persönliches Bildungsprogramm für junge Menschen („Du kannst mehr als du glaubst!“). Ein wichtiger Erziehungsaspekt ist in allen Programmteilen das persönliche Verhalten in Bezug auf andere Menschen und die Umwelt. Im Programmteil Expeditionen, der abgeschiedene und eigenständige Gruppenunternehmungen verlangt und die Chance bieten soll „die Natur zu genießen – durch besseres Umweltbewusstsein und möglichst geringe Beeinflussung der Natur“ (Handbuch Bd. 2, S. 35/36), gilt dies ganz besonders.

Das Befolgen allgemeiner gesetzlicher Vorgaben (z.B. zu offenem Feuer im Wald oder zur Benutzung von Straßen) bzw. Sicherheitsbestimmungen (z.B. zur Benutzung des Kochers oder dem Verhalten bei einem Notfall) und auch des Verhaltenskodex (z.B. Alkoholverbot) ist der einfachere Aspekt dieser „Verhaltenserziehung“. Mindestens genauso viel Aufmerksamkeit und Anstrengung erfordert die Motivation zum zeitweiligen Verzicht auf Medien, die sonst im Alltag unentbehrlich scheinen (insbesondere das Mobiltelefon mit seinen Möglichkeiten zum Kommunizieren, Musikhören und Spielen), ohne den die Expedition ihren pädagogischen Auftrag nicht erfüllen kann.

Die Vermittlung dieser Verhaltensgrundsätze benötigt Zeit und ist deshalb ein zentraler Aspekt von Ausbildung und Probetouren im Programmteil Expeditionen: wenn Expeditionen nicht zum erwünschten Erfolg führen oder sogar scheitern, liegt es meist nicht an fehlender „Expeditionstechnik“, sondern an unzureichender „Einstellung“. Die systematische Arbeit an der richtigen „Expeditionshaltung“ bietet aber gleichzeitig auch sehr große Lernchancen – insbesondere im Hinblick auf die Teambildung – und macht diesen Programmteil in der heutigen Zeit für junge Menschen besonders wichtig.

 

Erfüllen von Vorgaben

Verantwortlich für das Verhalten der Teilnehmer ist die Aufsichtsperson als Vertreter des zuständigen Programmanbieters.

Zu den wichtigsten Vorgaben, die bei einer Unternehmung zu befolgen sind, gehören:

  1. die zwischen Gruppe, Aufsichtsperson und Gutachter getroffenen Ansprüche und Vereinbarungen zum Verhalten;

  2. der Verhaltenskodex bzw. Ansprüche zum Verhalten des Programmanbieters;

  3. die Grundregeln zum Verhalten in der Natur (vgl. „Natur- und Umweltschutz unterwegs“ im Expeditionsführer);

  4. die relevanten Gesetze des Bundeslands oder Lands, in dem die Unternehmung stattfindet;

  5. die Straßenverkehrsordnung;

  6. bei Unternehmungen auf dem Wasser die entsprechenden Gesetze und Vorgaben (z.B. Bundeswasserstraßengesetz) sowie die „Zehn goldenen Regeln für das Verhalten von Wassersportlern in der Natur“;

  7. die allgemeine Anforderung, das Ansehen des Programms in keinerlei Art und Weise zu schädigen.

Dank der hohen Standards von Ausbildung und Probetouren kommt es nur selten zu Fehlverhalten in diesem Bereich. Falls entsprechende Mängel noch vor der Abschlussunternehmung festgestellt werden, ist einfach entsprechende „Nacharbeit“ angesagt; die Expedition darf nur stattfinden, wenn die Probleme nachhaltig gelöst sind. Gibt es bei der Abschlussunternehmung Verhaltensprobleme, muss der Gutachter in Absprache mit der Aufsichtsperson einen passenden Lösungsvorschlag unterbreiten. Dieser soll der Gruppe noch während der Tour die Chance geben, sich zu verbessern, die „20 Kriterien“ zu erfüllen und die Expedition erfolgreich abzuschließen. Nach der Unternehmung setzt sich der Gutachter mit dem zuständigen Programmkoordinator in Verbindung, um eine Wiederholung in Zukunft auszuschließen.

Falls die Vereinbarung mit der Gruppe nicht zum gewünschten Ziel führen sollte, teilt der Gutachter dies Programmanbieter und Trägerverein mit und stellt seine Dienstleistung für die Gruppe mit sofortiger Wirkung ein. Für entstandenen Schaden (z.B. Flurschaden beim Durchqueren eines Getreidefeldes) bzw. eine erhaltene oder zu erwartende Strafe (z.B. beim Rauchen im Wald) müssen die Gruppenmitglieder bzw. die Gruppe selbst geradestehen.**)

 

Gewährleisten von Teamerfahrung und Abgeschiedenheit

Die Expedition ist eine Gruppenunternehmung. Es ist eine wichtige Erfahrung von Ausbildung und Probetouren, dass auch persönliche Utensilien letztlich von der ganzen Gruppe getragen werden müssen und individuelle Sonderwünsche schon aus Gewichts- und Volumengründen grundsätzlich nur bedingt berücksichtigt werden können. Sie sind dort ausgeschlossen, wo die Lernchancen des Programmteils beeinträchtigt würden und z.B. das Gruppenerlebnis eines gemeinsam zubereiteten Abendessens fehlen würde.

Eine ganz besondere Beeinträchtigung von Gruppenprozess und Naturerlebnis resultiert aus der Benutzung elektronischer Medien wie MP3-Playern, Mobiltelefonen*) oder Spielkonsolen während einer Tour. Es ist einfach mit den Expeditionsgrundsätzen nicht zu vereinbaren, dass man unterwegs Musik hört, sich beim Mittagessen bei Eltern oder Freunden per Facebook meldet oder zum Tagesabschluss abends gemeinsam einen Film anschaut. Hinzu kommt das erhebliche Sicherheitsrisiko, dass unterwegs und im Biwak mit solchen Ablenkungen verbunden ist – Musikhören „on tour“ ist aus Sicherheitsgründen immer tabu.

Während viele Programmanbieter deshalb sogar das Mitführen solcher Geräte verbieten, erlauben andere einen sehr eingeschränkten Gebrauch außerhalb der Zeiten geplanter Aktivitäten und vereinbaren hierfür spezielle Verhaltensregeln. Dazu gehört auch, dass Mobiltelefone, die im Notfall benutzt werden sollen, durch restriktive Nutzung dann auch wirklich zur Verfügung stehen müssen und keine leeren Akkus haben dürfen. Wie die Regeln auch immer lauten mögen: sie müssen abgesprochen und bei Ausbildung und Probetouren eingeübt werden.

 

*) Der Gebrauch im Notfall sowie zu Dokumentationszwecken muss vorher abgesprochen und geübt sein.

**) Ein entsprechender Hinweis sollte in der Einverständniserklärung der Eltern enthalten sein.