Sektionen
Sie sind hier: Startseite Programm Einleitung Programm
Programm

Beschreibungen des Programms finden sich in verschiedenen Flyern und der Kurzinformation.

Jahresbericht für 2016
16 Seiten mit Daten, Fakten, Analysen und Bildern zur Arbeit des Trägervereins im vergangenen Jahr. Mehr...
Anbieterpreis 2017
Noch bis zum 31. Dezember besteht die Möglichkeit, sich für den Anbieterpreis 2017 zu bewerben. Mehr...
Foto des Jahres
Flyer, Präsentationen, Presseartikel und Testimonials leben von guten Teilnehmerfotos. Um deren Erstellen zu unterstützen, wird der Anbieterpreis deshalb um das „Foto des Jahres“ erweitert. Mehr...
Herstschule 2017
Programm- und Managementlehrgang parallel, Anbietertagung und mehr. Mehr...
 

Kurt Hahn: Die Sieben Salemer Gesetze

von Kurt Hahn

Textnummer: 721300

Erstellt am 2011/07/17, zuletzt geändert am 2011/07/17

Trotz ihres Namens enthalten alle „Sieben Salemer Gesetze“ (The Seven Laws of Salem, 1930) wichtige Prinzipien der Programmarbeit – man muss sie richtig lesen.

von Kurt Hahn

Textnummer:

Erstellt am: , geändert am:

Fotos:

Trotz ihres Namens enthalten alle „Sieben Salemer Gesetze“ (The Seven Laws of Salem, 1930) wichtige Prinzipien der Programmarbeit – man muss sie richtig lesen.

***

Erstes Gesetz

Gebt den Kindern Gelegenheit, sich selbst zu entdecken.

Jeder Junge und jedes Mädchen hat eine „grande passion“, die oftmals verborgen und bis ans Lebensende unerfüllt bleibt. Der Erzieher kann nicht darauf hoffen und darf nicht versuchen, sie durch psychoanalytische Methoden herauszufinden. Die „grande passion“ kann und wird dadurch zutage treten, dass das Kind mit vielen verschiedenen Aktivitäten in enge Berührung kommt. Wenn ein Kind zu sich selbst gefunden hat, wird man oft einen Freudenruf hören oder entzückt sein von einer anderen Äußerung seines elementaren Glücks. Aber solche Aktivitäten dürfen nicht den Überbau bilden für einen ermüdenden Stundenplan. Diese Aktivitäten müssen einen entscheidenden Teil des Gemeinschaftslebens ausmachen, sonst können sie das Kind nicht fesseln und es zu sich selbst finden lassen. Ist die heilsame Leidenschaft erst einmal entdeckt, wird sie zum „Schutzengel“ der Pubertätsjahre, während der unentdeckte und ungeschützte Junge zwischen elf und fünfzehn Jahren seine Lebenskraft selten ungebrochen und unverfälscht bewahrt. Wir möchten sogar behaupten: oft ist der Unterschied in der geistigen Reife eines Jungen von fünfzehn und elf größer als der zwischen einem fünfzigjährigen Mann und einem fünfzehnjährigen Jungen.

 

Zweites Gesetz

Lasst die Kinder Triumph und Niederlage erleben.

Sie müssen lernen, „diese beiden Verführer genau gleich zu behandeln“. Man kann die Neigungen und Begabungen eines Kindes fördern und vorsichtig für eine ununterbrochene Reihe von Erfolgserlebnissen sorgen. Man mag es dadurch glücklich machen – das bezweifle ich –, aber mit Sicherheit wird es untauglich für den Lebenskampf. Salem glaubt, dass man die Schwächen des Kindes genauso wie seine Stärken entdecken muss. Lasst es sich für Unternehmungen begeistern, in denen es wahrscheinlich versagt, und vertuscht nicht dieses Versagen. Bringt ihm bei, Niederlagen zu überwinden. „Wer überwindet, dem werde ich vom Baum des Lebens zu essen geben“.

 

Drittes Gesetz

Gebt den Kindern Gelegenheit zur Selbsthingabe an die gemeinsame Sache.

Auch jüngere Kinder sollten Aufgaben übernehmen, die von größter Bedeutung für die Gemeinschaft sind. Sagt ihnen von Anfang an: „Keiner darf von uns Passagier sein, alle sind Schiffsmannschaft bei der abenteuerlichen Fahrt durch die Neue Landschule. Übertragt Jungen und Mädchen verantwortliche Pflichten, die ernst genug sind, um den Schulstaat zu zerstören, wenn sie schlampig durchgeführt werden“.

 

Viertes Gesetz

Sorgt für Zeiten der Stille.

Nach dem großen Vorbild der Quäker. Wenn die heutige Generation nicht früh die Fähigkeit zu Ruhe und Besinnung erwirbt und einübt, wird sie schnell und vorzeitig erschöpft sein von der Nerven zehrenden und zerrüttenden Zivilisation der Gegenwart.

 

Fünftes Gesetz

Übt die Phantasie.

Man muss sie in Bewegung setzen, sonst wird sie verkümmern wie ein unbetätigter Muskel. Die Kraft, dem drängenden Reiz des Augenblicks zu widerstehen, kann im späteren Leben nicht erworben werden; sie hängt oft von der Fähigkeit ab, sich klar zu machen, was man plant und hofft und fürchtet für die Zukunft. Genusssucht ist vielfach Folge eines Mangels an Vorstellungskraft: „Wer das Ferne nicht bedenkt, dem ist Betrübnis nahe.“ (Goethe)

 

Sechstes Gesetz

Lasst Wettkämpfe eine wichtige, aber keine vorherrschende Rolle spielen.

Der Sport leidet nicht, wenn er auf seinen Platz gewiesen wird. Indem man ihn entthront, erhält der Usurpator in Wirklichkeit seine Würde zurück.

 

Siebtes Gesetz

Erlöst die Söhne reicher und mächtiger Eltern von dem entnervenden Gefühl der Privilegiertheit.

Dekadenz ist nicht immer ein unabwendbares Naturgesetz, häufiger ist sie eine absichtliche Verschwendung eines großartigen Erbes. Solange sie auf ihre Kreise beschränkt sind, haben die „armen“ Jungen und Mädchen der Reichen keine Möglichkeit, sich zu Männern und Frauen zu entwickeln, die überleben können. Lasst sie die Erfahrungen eines faszinierenden Schullebens mit Söhnen und Töchtern teilen, deren Eltern um ihre Existenz zu kämpfen haben. Keine Schule kann eine Tradition von Selbstdisziplin und tatkräftiger, freudiger Anstrengung aufbauen, wenn nicht mindestens 30 Prozent der Kinder aus Elternhäusern kommen, in denen das Leben nicht nur einfach, sondern sogar hart ist.

(The Seven Laws of Salem, in Hahn, K.: Salem. Privatdruck (1930), S. 1-3. Übersetzt von M. Knoll)