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Der Menüpunkt „Programm“ führt zu den zwölf Kapiteln des Online-Handbuchs, dem aktuellen Kompendium zum Internationalen Jugendprogramm. Schriftliche Auszüge finden sich unter „Medien“ in der Bibliothek zum Herunterladen.

 

Wandern als Fortbewegungsart

Das Internationale Jugendprogramm in Deutschland e.V.

Textnummer: 692300

Erstellt am 2010/03/13, zuletzt geändert am 2010/04/28

In diesem Kapitel des Expeditionsführers werden wichtige Punkte aus der allgemeinen Darstellung der Expeditionstechnik für Unternehmungen mit der Fortbewegungsart Wandern zusammengefasst.

Das Internationale Jugendprogramm in Deutschland e.V.

Textnummer:

Erstellt am: , geändert am:

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In diesem Kapitel des Expeditionsführers werden wichtige Punkte aus der allgemeinen Darstellung der Expeditionstechnik für Unternehmungen mit der Fortbewegungsart Wandern zusammengefasst.

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Die meisten Programmteilnehmer wählen Wandern als Fortbewegungsart im Programmteil Expeditionen. Dafür gibt es mehrere gute Gründe:

  1. Eine Tour nur „unter eigenem Dampf“ durchzuführen übt einen natürlichen, fast philosophischen Reiz aus.

  2. Man muss keine zusätzliche Ausrüstung kaufen. Passende Kleidung und Schuhwerk hat meist jeder selbst und spezielle Ausrüstungsteile wie Kocher, Zelte oder Rucksäcke kann man oft irgendwo ausleihen – z.B. bei Bekannten oder der Anbieterstelle.

Der beste Weg zum Erfolg einer Expedition ist es, sie gemäß den Vorgaben des Programmteils gemeinsam und sorgfältig vorzubereiten.

 

Ausrüstung

Expeditionen zu Fuß benötigen – wenn überhaupt – sehr wenig spezielle Ausrüstung. Sie beschränkt sich auf

  1. Kleidung;

  2. Ausrüstung der Gruppenmitglieder und der Gruppe für die Tour;

  3. Notfallausrüstung;

  4. Ausrüstung für die Aktivitäten zum Expeditionsthema.

Da die gesamte Ausrüstung auf dem Rücken getragen werden muss, sind die Einzelteile sehr sorgfältig auszusuchen. Während die Kapitel zu den unterschiedlichen Fortbewegungsarten jeweils einen Abschnitt zu der speziellen Zusatzausrüstung besitzen, sollten Gruppen, die zu Fuß unterwegs sind, die im Kapitel Ausrüstung dargestellte Grundausrüstung ohne oder mit nur geringen Änderungen benutzen können.

Ausrüstung vor Nässe schützen

Wie teuer ein Rucksack auch immer sein mag – wasserdicht ist er nie. Deshalb wird zunächst der Rucksack insgesamt mit einem geeigneten Plastiksack gegen Nässe geschützt und anschließend mit weiteren Säcken alle Einzelstücke, die nicht nass werden dürfen (z.B. Schlafsack, Ersatzkleidung und technisches Gerät). Ausführliche Informationen zum Nässeschützen der Ausrüstung finden sich in den Kapiteln Ausrüstung und Biwakieren.

Rucksack richtig packen

Die richtige Verteilung der Ausrüstung im Rucksack hilft entscheidend dabei, das Tragen zu erleichtern. Je näher sich die Beladung am Schwerpunkt des Trägers befindet, desto geringer sind das resultierende Drehmoment und die Gegenkräfte, die vom Träger ständig abverlangt werden. Obwohl die Form der modernen Rucksäcke dabei hilft, muss darauf geachtet werden, dass schwere Gegenstände zu nah an Körper und Schultern wie möglich verstaut werden.

Das Packen ist in weiten Teilen eine Frage des gesunden Menschenverstandes und des Ausgleichs zwischen sich widerstrebenden Interessen. Da das, was zuletzt gepackt wird, auch zuerst wieder herausgenommen wird, werden die Sachen, die „on tour“ gebraucht werden, auch oben im Rucksack oder in den Seitentaschen verstaut. Dazu gehören die wasserdichte „äußere Schale“ der Kleidung (z.B. Regenjacke), Ersatzkleidung, Handschuhe, Kopfbedeckung und Nahrungsmittel, die unterwegs benötigt werden.

Der Schlafsack und die unterwegs nicht benötigte Kleidung brauchen zwar viel Platz, sind aber leicht und gehören in den unteren Teil des Rucksacks. Als nächstes wird die Gruppenausrüstung (Zelte, Nahrung, Kocher und Brennstoff) verstaut. Dabei ist darauf zu achten, dass ihr Gewicht gleichmäßig auf die Gruppenmitglieder verteilt ist.

 

Ausbildung

Für die Ausbildung müssen die Stoffpläne nicht modifiziert werden. Die folgenden Ausführungen gelten für Unternehmungen auf allen Programmstufen.

  1. Die Gruppenmitglieder müssen gemeinsam einen Aufbruchszeitpunkt festlegen. Beim Aufbruch vom Biwakplatz ist dafür zu sorgen, dass nicht einmal ein Streichholz liegen bleibt. Wurde Gelände bei einem Bauernhof benutzt, ist der vereinbarte Betrag zu entrichten und für die Unterstützung zu danken.

  2. Die erste Etappe der Tagesroute wird vergegenwärtigt, Karten und Kompasse sind griffbereit. In der Streckentabelle wird der Aufbruchszeitpunkt vermerkt und die Gruppe startet in langsamem, stetigem und vorsichtigem Tempo. Der Fortgang entlang der Route wird ständig durch Vergleichen von Geländemerkmalen mit der Karte überprüft. Dies erfolgt beim Wandern, da jedes Anhalten und Starten den so wichtigen Marschrhythmus zerstört, den Fortgang verzögert und für die Gruppenmitglieder frustrierend ist.

  3. Damit der Marschrhythmus beibehalten werden kann, wird bei Anstiegen die Schrittlänge verkürzt. Ab einer bestimmten Steigung ist es notwendig, im Zickzack zu gehen und so die Belastung zu verringern. Das Gehen auf der Fußspitze ist außerdem sehr ermüdend und belastet die Wadenmuskeln stark. Vor allem aber wird die Haftung des Schuhwerks vermindert und die Gefahr von Stürzen, vor allem in nassem Gras, erhöht.

  4. Steile Abstiege sind zwar möglicherweise nicht anstrengend, aber auf jeden Fall unbequem – und es ereignen sich dabei deutlich mehr Stürze als bei Anstiegen. Beim Wandern im Ebenen lehnt man sich automatisch nach vorn um das Gleichgewicht zu halten. Beim Abstieg lehnt man sich dagegen gern zurück – mit „umwerfenden“ Konsequenzen, wenn die Füße unter dem Körper weggezogen werden (wenn alles gut geht, nur eine unangenehme Landung auf dem Hinterteil …). Die Last muss deshalb auch hier nach vorne gehalten werden und um die Gelenkbelastung zu vermindern, werden die Knie gebeugt. Das Gehen im Zickzack ist bergab noch wichtiger als bergauf, vor allem, weil der schwere Rucksack den Träger mit dem Kopf voraus nach unten drückt. Rennen ist immer verboten.

  5. Bei An- und Abstiegen muss immer darauf geachtet werden, dass kein Steinschlag ausgelöst wird, da man damit jemand, der sich weiter unten befindet, schwer verletzen könnte.

  6. Wenn es anfängt zu regnen, hält die ganze Gruppe an, damit alle Gruppenmitglieder ihre Regenjacke anziehen können. Vom Regen nass zu werden kann zur Unterkühlung führen – dass man unter der Regenjacke schwitzt, ist nur unangenehm.

  7. Die Zeiten, die für Beobachtungen und Untersuchungen zum Expeditionsthema sowie deren Dokumentation benötigt werden, sind ebenfalls in die Streckentabelle einzutragen. Auch bei diesen Aktivitäten ist möglicherweise ein Nässeschutz (z.B. in Form eines Tarps) hilfreich.

Weitere Informationen finden sich in den Kapiteln „Routenplanung“, „Den Weg finden“, und „Ausbildung“.

 

Planung und Vorbereitung

Die Erfahrung von über 50 Jahren und die Beteiligung mehrerer Millionen junger Menschen deuten darauf hin, dass

  1. es bei Expeditionen auf allen Stufen nur selten zu ernsthaften Unfällen kommt;

  2. diese Unfälle meist ihre Ursache im Verhalten der Gruppe und nicht in der Umgebung oder den Wettereinflüssen haben.

Die Unternehmung ist umso sicherer,

  1. je besser die Kriterien und Leistungsvorgaben erfüllt werden;

  2. je konsequenter das „Vier-Augen-Prinzip“ von Aufsichtsperson und unabhängigem Gutachter angewandt wird.

Wie beim Bergwandern sind „Abkürzungen“ unsinnig und grob fahrlässig. Bei Direkteinsteigern auf der Silber- oder Goldstufe ist besonders darauf zu achten, dass auch sie den gesamten Prozess von Vorbereitung, Ausbildung und Probetouren mitgemacht haben bevor sie an der Abschlussunternehmung teilnehmen.

Weitere Informationen finden sich in den Kapiteln „Probetouren“ und „Planen der Abschlussunternehmung“.

 

Schlüssel zur Planung einer erfolgreichen Expedition

Alle Programmstufen

  1. tige Fitness aufbauen. Vgl. im Detail das Kapitel „Fitness für Expeditionen“

  2. Rucksackgewicht minimieren. Vor Beginn der Expedition müssen alle Rücksäcke in der „Endbepackung“ gewogen werden, am besten mit einer Badezimmerwaage. Wie das nötige Fitnesstraining einer der ersten Schritte zu einer Expedition war, die Spaß macht, ist die Gewichtsminimierung einer der letzten. Vgl. im Detail das Kapitel „Biwakieren“.

  3. Strecke gleichmäßig auf die Tage verteilen. Übergroße Tagesetappen führen zu Erschöpfung und den damit verbundenen Risiken von Unterkühlung bei Kälte oder Entkräftung bei Hitze. Es ereignen sich unerwünschte Nebeneffekte – Die Füße werden zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen, die Gruppen sind zu müde, bei Ankunft am Biwakplatz eine richtige warme Mahlzeit zuzubereiten oder am nächsten Morgen wieder in aller Frühe zu starten. Vgl. im Detail das Kapitel „Routenplanung“.

  4. Morgens in aller Frühe starten. Morgens ist immer so früh wie möglich zu starten, da dies das Risiko, erst bei Einbruch der Dämmerung ins Ziel zu kommen, vermindert. Frühes Aufstehen in der Freizeit verlangt möglicherweise erhebliche Willenskraft und Selbstdisziplin und muss bereits bei den Probetouren geübt werden. Besonders wichtig ist der Start in aller Frühe am Rand der Expeditionssaison, wenn die Tage noch relativ kurz sind. Vgl. im Detail das Kapitel „Routenplanung“.

  5. Natürliche Routen planen. Bei Ausbildung und Probetouren müssen die Gruppen die Fähigkeit einwickeln, Routen zu planen, die dem natürlichen Geländeverlauf folgen. Diese nicht nicht nur weniger ermüdend, sondern bei der Expedition auch leichter zu finden. Vgl. im Detail das Kapitel „Routenplanung“.

Wildnisgebiete

  1. Größere Anstiege früh am Tag ansetzen. Wenn es die anderen Vorgaben zulassen, sollte die Route so geplant werden, dass größere Anstiege früh am Tag gemacht werden, wenn die Teilnehmer noch frisch sind und die Sonne noch nicht so unbarmherzig scheint. Die Aussicht, beim Mittagessen das Schlimmste geschafft zu haben und vielleicht sogar eine schöne Aussicht genießen zu können, ist eine zusätzliche Motivation. Wenn Anstiege früh bewältigt werden, steigt auch die Chance, bei einem Wettereinbruch bereits wieder auf dem Weg in die sichereren Gefilde im Tal zu sein. Da Probleme meistens gegen Ende der Tagesetappe auftreten hat diese auch den Vorteil, dass sich die Gruppe dann wieder im Tal aufhält und notfalls auch schneller geholfen werden kann.

  2. Alternativrouten für schlechtes Wetter planen. In Wildnisgebieten ist schlechtes Wetter eher die Regel als die Ausnahme. Alle Gruppen müssen deshalb bei Ausbildung und Probetouren lernen, damit routiniert umzugehen. Es gibt aber Wettereinbrüche, bei denen sich selbst erfahrene Bergwanderer gerne in Talrichtung ausweichen. Um in der Höhe auch in Wolken oder Nebel sicher wandern zu können, braucht es jahrelange Erfahrung. Aber auch wenn Gruppen wie vorgeschrieben „durch“ statt „über“ der Berge wandern, lassen sich Regen und Nebel (und manchmal sogar im Sommer Schnee!) nicht ausschließen. Sind für diesen Fall keine Alternativrouten geplant, bleiben nur die Optionen, die Expedition entweder mit unkalkulierbarem Risiko fortzusetzen oder vernünftigerweise abzubrechen. Auch eine solche Schlechtwetter-Alternativroute erfüllt die Leistungsvorgaben, ermöglicht es aber Gruppe, das Tagesziel unterhalb der Wolkendecke, der Schneegrenze oder in einigem Abstand vom vollen Toben der Elemente zu erreichen. Sie darf nicht mit einer Fluchtroute verwechselt werden. Vgl. im Detail das Kapitel „Routenplanung“.

  3. Durch statt über das Wildnisgebiet wandern. Das Erklimmen bekannter Pässe und Gipfel mag zwar sehr motivierend und befriedigend sein, passt aber nicht zu den Leistungsvorgaben des Programmteils Expeditionen. Man muss streng unterscheiden zwischen einem Wanderer, der mit dem Allernötigsten im Tagesrucksack für einen Tag in den Bergen unterwegs ist und Programmteilnehmern, die eine geplante Mehrtagestour bei jedem Wetter im Wildnisgebiet durchführen und ihre gesamte Ausrüstung und Verpflegung mit sich führen. Das schließt den natürlichen Wunsch nach dem Ersteigen bestimmter Gipfel oder Pässe nicht grundsätzlich aus, der tägliche Anstieg sollte aber auf 500 Meter eingeschränkt werden. Größere Anstiege müssen sachlich begründet sein (weil z.B. für einen Gebietswechsel ein Pass unbedingt überquert werden muss) und dürfen nur Gruppen zugemutet werden, die diese außergewöhnliche Leistungsfähigkeit bei ihrer „Generalprobe“ überzeugend unter Beweis gestellt haben. Gruppen überschätzen gerne ihre körperliche Leistungsfähigkeit und unterschätzen ebenso gerne die Mühen, die ein voll gepackter Rucksack in den Bergen bedeutet. Jeder Gutachter wird übermäßige Anstiege mit Argwohn betrachten. Auf jeden Fall muss der Anstieg dann am nächsten Tag deutlich eingeschränkt sein. Im Programmteil Expeditionen geht es nicht um Höhe, sondern Abgelegenheit!

  4. Im Tal biwakieren. Es ist eine gute Tradition, dass fast alle Gruppen die Nacht in Biwakplätzen im Tal zubringen, meist in der Nähe eines Bauernhofs mit Straßenanbindung. Dies erleichtert die Arbeit von Aufsichtspersonen bei ihren Besuchen am frühen Morgen bzw. am Abend erheblich. Wenn Teilnehmer krank werden, geschieht das meist am Ende der Tagesetappe oder während der Nacht. Die Nähe eines Bauernhofs ist dann natürlich eine unschätzbare Hilfe. Biwakplätze im Tal sind in der Regel auch besser geschützt und den Elementen nicht so ausgesetzt. Vgl. im Detail das Kapitel „Routenplanung“.